Du hast drei Angebote für deine neue Website eingeholt und sie unterscheiden sich um mehrere tausend Euro. Was jetzt? Der Reflex ist, auf die Summe unten rechts zu schauen — und genau das führt am häufigsten in die falsche Entscheidung. Website-Angebote sind selten vergleichbar: Sie beschreiben unterschiedliche Leistungen, Eigentumsverhältnisse und Folgekosten, oft ohne das explizit zu sagen.

Dieser Artikel ist bewusst so geschrieben, dass er auf jedes Angebot passt — auch auf meins. Am Ende findest du eine Fragenliste zum Mitnehmen ins Gespräch.

Warum sind Website-Angebote so schwer zu vergleichen?

Website-Angebote sind schwer zu vergleichen, weil das Wort „Website" keinen definierten Leistungsumfang hat. Zwei Angebote über je 2.000 Euro können bedeuten: einmal fünf handgebaute Seiten inklusive Textarbeit, Bildaufbereitung, SEO-Grundlagen und Einweisung — und einmal ein befülltes Template ohne Texte, ohne Optimierung, mit monatlicher Bindung obendrauf. Erst wenn du beide auf dieselben Positionen herunterbrichst, wird der Vergleich ehrlich. Die folgenden sieben Punkte sind die, an denen sich Angebote am stärksten unterscheiden — und an denen später am häufigsten Ärger entsteht.

PrüfpunktWorum es gehtRisiko
LeistungsumfangWas genau ist im Preis enthalten?Hoch
EigentumWem gehört die fertige Website?Hoch
Domain-HoheitAuf wen ist die Domain registriert?Hoch
Laufende KostenHosting, Wartung, Lizenzen pro JahrMittel
ÄnderungenWas kostet eine Anpassung später?Mittel
TechnikBaukasten-Bindung oder eigener Code?Mittel
PreismodellFestpreis oder Stundensatz?Mittel

Was genau ist im Preis enthalten?

Ein belastbares Angebot listet auf, welche Seiten entstehen und welche Arbeitsschritte enthalten sind — nicht nur eine Summe mit dem Wort „Webdesign" davor. Prüfe die folgenden Positionen einzeln, denn jede einzelne kann fehlen, ohne dass es auffällt:

  • Design: Individuelles Layout oder angepasstes Template? Wie viele Entwurfsvarianten?
  • Umsetzung: Wie viele Unterseiten? Sind Kontaktformular, Karte, Bildergalerie, mehrsprachige Inhalte dabei?
  • Texte: Schreibst du sie, oder ist Textarbeit enthalten? Falls enthalten: für alle Seiten oder nur die Startseite?
  • Bilder: Wer besorgt sie, wer lizenziert sie, wer bereitet sie fürs Web auf? Sind Lizenzkosten enthalten?
  • SEO-Grundlagen: Sind Seitentitel, Meta-Beschreibungen, saubere Überschriftenstruktur, Sitemap, strukturierte Daten und Ladezeit-Optimierung Teil des Preises?
  • Rechtliches: Werden Impressum, Datenschutzerklärung und Cookie-Hinweis technisch eingerichtet?
  • Schulung und Übergabe: Bekommst du eine Einweisung und die Zugänge — oder nur einen Link auf die fertige Seite?
  • Korrekturrunden: Wie viele sind enthalten, und was kostet eine weitere?

Kein Angebot muss all das enthalten. Ein Angebot ohne Textarbeit ist völlig in Ordnung — wenn du weißt, dass du die Texte selbst schreibst. Problematisch wird es nur, wenn du es nicht weißt und es erst mitten im Projekt merkst.

Die faire Vergleichsmethode: Schreibe die Positionen aus dieser Liste untereinander und trage für jedes Angebot ein, ob sie enthalten sind. Wenn eine Position bei einem Anbieter fehlt, schätze grob, was sie dich extra kostet — und rechne sie auf den Angebotspreis drauf. Erst diese Summe ist vergleichbar.

Wem gehört die Website nach der Fertigstellung?

Nach Bezahlung solltest du uneingeschränkt über deine Website verfügen können — inklusive aller Dateien, Bilder und des Codes. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht: Es gibt Modelle, bei denen die Seite dem Dienstleister gehört und du im Grunde ein Nutzungsrecht mietest. Solange du zahlst, läuft alles. Kündigst du, ist die Website weg.

Woran du das erkennst

Suche im Angebot oder in den AGB nach Formulierungen zu Nutzungsrechten, Lizenzen oder Laufzeiten. Steht dort ein „einfaches, widerrufliches Nutzungsrecht" oder ist die Website an eine monatliche Zahlung gekoppelt, mietest du. Steht dort, dass sämtliche Rechte nach vollständiger Zahlung auf dich übergehen, kaufst du.

Warum das wichtig ist

Es geht nicht nur um Streit oder Insolvenz, sondern darum, ob du in drei Jahren wechseln kannst, ohne bei null anzufangen. Mietmodelle sind nicht per se unseriös — sie sind eine andere Kalkulation, und du solltest wissen, dass du dich für sie entschieden hast. Frag einfach direkt: „Gehört mir die Website nach Bezahlung vollständig, inklusive aller Dateien?" Eine gute Antwort ist kurz und klar.

Wer hat die Hoheit über deine Domain?

Deine Domain sollte auf dich als Inhaber registriert sein — nicht auf deinen Dienstleister. Die Domain ist deine Adresse im Netz und gleichzeitig die Basis deiner E-Mail-Adressen. Wer sie kontrolliert, kontrolliert im Zweifel deinen kompletten geschäftlichen Auftritt.

Der häufigste Ärger in dieser Branche entsteht genau hier: Die Domain läuft auf den alten Dienstleister, der Kontakt ist abgekühlt, der Umzug zieht sich über Wochen. Bei einem neuen Projekt lässt sich das in fünf Minuten richtig machen — indem du den Domainvertrag selbst abschließt oder dich als Inhaber eintragen lässt. Dasselbe gilt fürs Hosting: Der Vertrag darf gern von deinem Dienstleister betreut werden, laufen sollte er auf dich.

Welche laufenden Kosten kommen nach dem Livegang dazu?

Jede Website verursacht laufende Kosten — die Frage ist nur, welche und in welcher Höhe. Lass dir die jährlichen Folgekosten aufschlüsseln, bevor du unterschreibst:

  • Domain: Jährliche Gebühr, meist überschaubar, aber dauerhaft.
  • Hosting: Monatlich oder jährlich. Der Preis hängt stark davon ab, was deine Seite technisch braucht.
  • Lizenzen: Bei Baukästen und CMS-Systemen fallen oft Gebühren für Plugins, Themes, Buchungs- oder Shop-Funktionen an — teils pro Jahr, teils pro Funktion.
  • Wartung: Updates, Backups, Sicherheitsprüfungen. Bei CMS-basierten Seiten ist das keine Kür, sondern nötig, damit die Seite nicht irgendwann angreifbar wird.
  • Support: Ist eine Reaktionszeit zugesagt oder gilt „so schnell es geht"?

Ein Angebot, das beim Einmalpreis günstig aussieht, kann über fünf Jahre teurer sein als ein höheres mit schlanken Folgekosten. Rechne deshalb den Fünfjahresblick: Einmalpreis plus fünfmal die jährlichen Kosten. Wie sich Website-Preise zusammensetzen, habe ich hier aufgeschlüsselt: Was kostet eine Website?

Was kostet eine Änderung nach dem Livegang?

Frag vor der Beauftragung, was eine typische spätere Änderung kostet — neuer Text auf einer Seite, ein zusätzlicher Mitarbeiter im Team-Bereich, eine neue Unterseite. Das ist der Punkt, den fast niemand im Angebotsgespräch anspricht und über den sich zwei Jahre später alle ärgern.

Sinnvoll ist eine grobe Orientierung: Gibt es einen Stundensatz für Kleinigkeiten oder Pauschalen für wiederkehrende Aufgaben? Was kannst du selbst ändern? Und ganz praktisch: Wie schnell bekommst du eine Rückmeldung, wenn du im Juli anrufst?

Manche Menschen wollen alles selbst pflegen, andere wollen damit nichts zu tun haben. Beides ist legitim — das Angebot sollte nur zu deiner Präferenz passen. Wer nie selbst etwas ändern will, braucht kein aufwendiges Redaktionssystem, das er dann doch nicht bedient.

Baukasten oder eigener Code: Wie sehr bindet dich die Technik?

Die technische Basis entscheidet darüber, wie leicht du später wechseln kannst. Bei einem Baukastensystem lebt deine Seite in der Umgebung des Anbieters: Design, Inhalte und Struktur lassen sich in der Regel nicht als funktionierende Website mitnehmen. Kündigst du, bleibt bestenfalls ein Textexport. Bei eigenem Code oder einem gängigen CMS liegen Dateien und Datenbank vor, die ein anderer Dienstleister übernehmen kann.

Das heißt nicht, dass Baukästen schlecht sind — für ein kleines Projekt mit knappem Budget können sie genau richtig sein, und viele Nutzer wechseln nie. Es heißt nur: Der Preis eines Baukastens ist nicht nur die Monatsgebühr, sondern auch die Bindung. Welcher Weg zu deiner Situation passt, habe ich hier gegenübergestellt: Freelancer, Agentur oder Baukasten — was passt zu dir?

Eine gute Frage fürs Gespräch: „Wenn ich in zwei Jahren wechseln möchte — was genau bekomme ich mit, und was bleibt zurück?" Die Antwort sagt dir mehr über die Bindung als jede Leistungsbeschreibung.

Stundensatz oder Festpreis: Was ist besser für dich?

Ein Festpreis verlagert das Kalkulationsrisiko vom Kunden zum Anbieter, ein Stundensatz belässt es beim Kunden. Beides kann fair sein — entscheidend ist, ob der Umfang klar definiert ist.

Wann ein Festpreis sinnvoll ist

Wenn der Umfang beschreibbar ist — soundso viele Seiten, diese Funktionen, so viele Korrekturrunden — ist ein Festpreis für dich die ruhigere Variante. Du weißt vorher, was am Ende auf der Rechnung steht. Wichtig ist, dass im Angebot steht, worauf sich der Festpreis bezieht. Ein Festpreis ohne definierten Umfang ist keiner, sondern eine Zahl, die später Diskussionen auslöst. Ich selbst arbeite deshalb mit Festpreis-Paketen zwischen 990 und 2.690 Euro, bei denen der Leistungsumfang schriftlich fixiert ist.

Wann ein Stundensatz sinnvoll ist

Bei Projekten, deren Umfang sich unterwegs entwickelt — laufende Betreuung, Umbauten an bestehenden Systemen, kleinere Anpassungen — ist ein Stundensatz oft ehrlicher als ein Festpreis, der auf Verdacht kalkuliert wird. Frag dann nach einer Schätzung des Gesamtaufwands und nach einer Obergrenze, ab der Rücksprache gehalten wird.

Fragenliste: Was du im Angebotsgespräch fragen solltest

Nimm diese Liste ins Gespräch mit — sie ist so formuliert, dass du sie jedem Anbieter stellen kannst, mir eingeschlossen:

  • Welche Seiten und Funktionen sind konkret im Preis enthalten?
  • Sind Texte enthalten — und wenn ja, für welche Seiten?
  • Wer besorgt und lizenziert die Bilder, und sind Lizenzkosten im Preis?
  • Welche SEO-Grundlagen sind Teil der Umsetzung?
  • Wie viele Korrekturrunden sind enthalten, was kostet eine weitere?
  • Gehört mir die Website nach Bezahlung vollständig, inklusive aller Dateien?
  • Auf wen laufen Domain und Hosting-Vertrag?
  • Welche laufenden Kosten fallen pro Jahr an — Hosting, Lizenzen, Wartung?
  • Was kostet eine typische Änderung nach dem Livegang?
  • Was kann ich selbst ändern, was nicht?
  • Auf welcher Technik läuft die Seite, und was bekomme ich bei einem Wechsel mit?
  • Wer ist während des Projekts mein Ansprechpartner — und baut diese Person die Seite auch?
  • Was passiert, wenn wir den Termin nicht halten?
  • Kann ich vor der Beauftragung etwas Konkretes sehen?

Ein Anbieter, der diese Fragen ruhig und konkret beantwortet, ist ein gutes Zeichen — unabhängig vom Preis. Ausweichende Antworten, Druck („nur diese Woche") oder Unwillen, den Umfang schriftlich festzuhalten, sind das Gegenteil.

FAQ: Häufige Fragen zum Angebotsvergleich

Ist das günstigste Angebot automatisch das schlechteste?

Nein. Ein niedriger Preis kann bedeuten, dass der Umfang kleiner ist, die Struktur schlanker oder schlicht die Kostenbasis niedriger. Vergleiche deshalb Leistung gegen Leistung, nicht Summe gegen Summe — inklusive der Folgekosten über mehrere Jahre.

Wie viele Angebote sollte ich einholen?

Zwei bis drei reichen in der Regel. Mehr Angebote bringen selten mehr Erkenntnis, kosten dich aber Zeit und machen die Entscheidung schwerer. Wichtiger als die Anzahl ist, dass du allen Anbietern dieselbe Aufgabenbeschreibung gibst.

Was gehört mindestens schriftlich ins Angebot?

Der konkrete Leistungsumfang, die Anzahl der Korrekturrunden, der Preis und die Zahlungsbedingungen, die Rechteübertragung nach Bezahlung sowie alle laufenden Kosten. Mündliche Zusagen sind gut gemeint, aber im Zweifel wertlos.

Woran erkenne ich ein unseriöses Angebot?

An Zeitdruck ohne sachlichen Grund, an fehlender Umfangsbeschreibung, an unklaren Eigentumsverhältnissen und an langen Mindestlaufzeiten, die im Gespräch nicht erwähnt wurden. Auch die Weigerung, die Domain auf dich laufen zu lassen, ist ein deutliches Warnzeichen.

Fazit: Vergleiche Leistungen, nicht Endsummen

Ein Website-Angebot ist erst dann vergleichbar, wenn du weißt, was drinsteht, wem am Ende was gehört und was die Seite dich in den nächsten Jahren kostet. Wer diese drei Dinge klärt, trifft eine bewusste Entscheidung — auch wenn sie am Ende nicht auf mich fällt. Das ist völlig in Ordnung: Mir ist ein Kunde lieber, der weiß, warum er sich entschieden hat, als einer, der nach einem Jahr merkt, dass er etwas anderes gekauft hat, als er dachte.